Drama | Historie

„Die Kastratin“ von Iny Lorentz

von am Mai 21, 2014

Handlung

Gulia ist die Tochter des Kapellmeisters. Sie liebt das Singen und jeder in der Familie weiß, dass ihre Stimme wunderschön ist. Aber in dieser Zeit dürfen Frauen und Mädchen nicht singen, und schon gar keine Lieder zu Ehren Gottes. Sie gelten dann als Hexen.

Doch Gulia ist fasziniert von den Kirchengesängen und schleicht sich immer wieder heimlich zum Kloster um den Proben des Knabenchores zu lauschen. Sie versucht diese Gesänge heimlich zu üben, doch sie wird von ihrem Vater und dem Abt erwischt. Als dann der beste Sänger des Chores wegen Stimmbruch ausfällt, aber kein anderer diesen Part zufriedenstellen singen kann, kommt Gulias große Chance. Als Junge verkleidet singt sie vor Messbesuchern in der Kirche. Sie ahnt nicht, dass sie von nun an gezwungen ist, als Mann weiterzuleben.

Layout

Ein von Rot dominiertes Cover erwartet mich. Die Frau ist in ein langes rotes Kleid gehüllt. Man erkennt das Gesicht nur bis zur Nase, sie hat Rosen in der Hand. Irgendwie ein typisches Lorentz-Layout. Nicht spektakulär und irgendwie nichtssagend. Allein das Cover macht mich nicht neugierig. Titel und Autor sind klar und in einfacher Schrift auf dem Cover erkennbar.

Das Buch ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, um Gulias Etappen zum Knaben und im Leben besser zu Kennzeichnen. Diese Abschnitte wiederum unterteilen sich in Kapitel. Eine sehr angenehme Struktur, die es einem vereinfacht, der Hauptprotagonisten zu folgen.

Fazit

Eigentlich hätte ich gar nicht zum Lesen gebraucht und mit meinem Mann war ausgemacht, dieses Jahr wird kein Buch gekauft. Aber dieses war ein absoluter Notkauf, für den ich eine Sondererlaubnis hatte. Ich war auf dem Weg zum Arzt, mein MP3-Player lag vergessen zu Hause und mein Kindle hatte keinen Saft mehr. Und nun? Verabredet, ich kaufe was auf dem Grabbeltisch, es muss reduziert sein. Das fiel mir „Die Kastratin“ in die Hände. Und es war ein absoluter Glückgriff.

In der Wartezeit hatte ich geschwind bis Seite 101 gelesen und war mitten drin in Gulias Geschichte. Ich spürte ihre Angst, als sie Begriff, von nun als Junge leben zu müssen. Ich ging mit ihr durch Höhen und Tiefen und erlebte sowohl gesangliche Erfolge wie persönliche Niederlagen hautnah mit ihr.

Durch den sehr angenehmen und einfachen Erzählstil des Autorenduos hatte ich keine Mühe dem Verlauf zu folgen. Es blieb gleichbleibend spannend und fesselnd. Und als dann noch der Mann ihres Lebens in Gulias Leben tritt, war die Story perfekt.

Leider ab da dann ein wenig zu perfekt, denn die Handlung wurde für mich so druchschaubar. Die Autoren haben keine Klischees ausgelassen und ab der Mitte des Buches hätte ich es eigentlich weglegen können, weil ich mir denken konnte, was passiert.

Feind aus der Kindheit, Held denkt nicht normal zu sein ,Gefahr in Verzug, große Rettung durch den Helden, Offenbarung, letzter Kuss und Vereinigung. Happy End.

Nichts desto trotz hatte ich angenehme Lesestunden und deswegen gibt es von mir 4 Eselsöhrchen.

Meine Bewertung:

weiterlesen

Drama | Historie

„Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak

von am März 27, 2014

Handlung

Kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs beschließt Liesels Mutter, sie und ihren Bruder bei Pflegeeltern unterzubringen.

Auf dem Weg nach Molching, in der Nähe von München, verstirbt Liesels Bruder im Zug an Keuchhusten. Das ist die allererste Begegnung, die Liesel mit dem Tod hat. Nach der Beerdigung findet Liesel auch ihr erstes Buch auf dem Friedhof, welches sie einfach kurzerhand einsteckt, weil es sie immer an ihren Bruder erinnern wird. Erst später stellt sich heraus, dass dieses“ Buch für Totengräber“ ihre Karriere als Bücherdiebin einläutet.

Bei ihren Pflegeeltern fühlt sich Liesel zuerst gar nicht wohl und das Einleben unter dem ruppigen Ton von Rosa Hubermann fällt ihr sehr schwer. Aber Ziehvater Hans Hubermann wickelt die Kleine schnell um den Finger mit seiner herzlichen Art und bricht das Eis. Er ist es auch, der Nachts für Liesel da ist, wenn die Albträume kommen und er bringt ihr auch das Lesen mit dem „Buch für Totengräber“ bei. Liesel merkt schnell, dass neben ihren neuen Freunden und ihren Zieheltern vor allem die Bücher ihr die Kraft geben, durch diese schweren Zeiten des Naziregimes zu kommen. Sie muss nur an Lesestoff ran kommen, egal was es ist, Hauptsache die Wörter nehmen sie mit.

Layout

Ich hab das Buch zum Film vor mir liegen. Die Schauspielerin der Liesel steht im Vordergrund, sie schaut ernst und hält ein Buch fest an ihren Körper gedrückt.

Im Hintergrund sieht man eine Truppe von Nazisoldaten, die Bücher verbrennen. Alles ist in Sepiatöne gehalten. Ich finde das Cover sehr stimmig und es zeigt, wohin mich das Buch mitnehmen möchte.

Das Buch selber ist in verschiedenen Abschnitte unterteilt, diese wiederrum in Kapitel und immer mal wieder gibt es so etwas wie Fußnoten oder auch Anmerkungen des Erzählers, also vom Tod, um die Geschichte und Einzelheiten genauer zu beleuchten.

Fazit

Das war ein schwerverdauliches 5-Sterne-Menü.

Die Geschichte, die mir vom Tod selbst erzählt wird, hat es emotional und gedanklich echt in sich. Eins vorweg, dieses Buch ist nicht an einem Tag einfach weggelesen, es regt zum Nachdenken an und beschäftigt mich sehr. Auch jetzt, einen Tag danach lässt Liesels Geschichte mich nicht los. Ich bin beeindruckt wie Liesel mit ihrem Schicksal umgeht und trotz Niederschläge und schweren Zeiten nicht aufgibt. Sie berührt mich, tief in meiner Seele und ich finde mich selbst in ihr wieder.

Der Erzählstil ist für mich gewöhnungsbedürftig. Das liegt nicht an der Tatsache, dass der Tod es erzählt. Diesen Punkt konnte ich immer sehr schnell ausblenden, denn lange Abschnitte war der Tod halt einfach nur ein alleswissender Erzähler für mich, mehr nicht.
Es lag eher an der Sprache, an die ich mich erst gewöhnen musste. Nach einigen Seiten, war ich jedoch eingelesen, und die Geschichte wurde zum wahren Hochgenuss.

So ein Buch schreibt und liest man sicherlich nur einmal im Leben. Zwei lange Wochen durfte ich Liesel begleiten und das Ende machte es mir doch ein wenig leichter, denn alles war gut. Nur der Weg dorthin war tränenreich. Aber Tod ist halt der Tod, und der berichtet nüchtern von seinem Job.

Trotz Schwermut vergebe ich für ein einmaliges Buch und eine Schwester im Geiste 5 Eselsöhrchen!

Meine Bewertung:

weiterlesen

Historie | Krimi

„Teufelsgrinsen“ von Annelie Wendeberg

von am Februar 28, 2014

Handlung

Anton ist Anna, Anna ist Anton. Anton Kronberg, Doktor der Medizin im viktorianischen England. Damit sich Anna ihren Traum erfüllen konnte Ärztin zu werden, musste sie sich auf ein Doppelleben einlassen, denn früher durften Frauen nicht studieren. Aber Anna gelingt es.

Die Geschichte startet 1889 in London. Die Stadt wird immer wieder von Seuchen heimgesucht. Als Doktor der Medizin wird Anna von der Polizei ins Wasserwerk zitiert. Dort wurde eine Leiche gefunden. Todesursache scheint im ersten Moment Cholera zu sein.

Doch schnell wird ihr und dem ebenfalls herbeigerufenen Sherlock Holmes klar, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss. Aber das ist nicht alles, was Sherlock Holmes dank seinem Scharfsinn auffällt. Durch seine Beobachtungsgabe entlarvt Sherlock Holmes Annas Geheimnis.

Aber in Anna hat Sherlock eine ebenbürtige Gegnerin, sowie Partnerin gefunden. Gemeinsam machen sie sich dran, um den Fall aufzuklären und geraten selber auf die kriminelle Seite der Medizin.

Layout

Das Cover ist blaugrau gestaltet. Im Hintergrund kann man die Umrisse Londons erkennen, es scheint vom Nebel eingehüllt zu sein. Vorne links steht sehr prominent in schwarz gekleidet eine Frau, die den Blick über die Themse Richtung London schweifen lässt.

Ebenfalls in schwarz geschrieben, in Großbuchstaben die sofort ins Auge fallen, steht der Titel „Teufelsgrinsen“. Auf dem „S“ vom Teufel steht eine Krähe, die die Flügel gespreizt hat.

Über und unter dem Titel kann man in graublauer, dezenterer Schrift den Namen der Autorin lesen, sowie den Zusatz „Ein Fall für Anna Kronberg“. Das lässt auf den Krimi schließen.

Das Cover ist für mich sehr mystisch und stimmungsvoll. Es macht sofort neugierig. Auf den ersten Blick scheint der Vogel überflüssig, aber das wird im Roman geklärt und dann muss der da einfach sitzen.

Die Seiten und der Text sind übersichtlich strukturiert.

Fazit

Intelligenter Wortwitz und charmante Hauptcharaktere.

Annelie Wendeberg gelingt es mit den ersten Absätzen mich mitzunehmen in das London 1889. Ich rieche förmlich immer noch die Kloake, die da im Wasserwerk sein musste, als die Leiche gefunden wurde. Das war sicher kein schöner Ort.

Die Autorin schreibt einfach, aber direkt und erzählt ohne viel Schnörkel einen Krimi, der rasant vorangetrieben wird. Aber immer wieder erfahren wir auch die Geschichte der beiden Hauptprotagonisten, so dass man den Eindruck hat, man freundet sich mit ihnen an und kann verstehen, wie sie fühlen.

Anna erzählt ihre Geschichte selber, wodurch ihre Emotionen und ihr Doppelleben mit allen Schwierigkeiten glaubhaft geschildert werden. Ich leide mit ihr, liebe mit ihr und durchlebe mit ihr die Cholera.

Die Begegnung mit Sherlock Holmes ist sehr gelungen. Da war ich zunächst skeptisch, denn eigentlich hatte ich noch nie Sherlock Holmes Romane gelesen, mochte aber viktorianische Geschichten. Ich hatte ein wenig Angst, dass mir dieses Wissen eventuell fehlen würde. Aber da auch Anna noch nie etwas von diesem Detektiv gehört hat, lerne ich ihn mit ihr kennen und verliere ebenfalls ein wenig mein Herz an ihn. Ich würde fast behaupten, dass mein Unwissen ein Vorteil war, denn so hatte ich keine Vergleichsmöglichkeiten und konnte völlig unvoreingenommen an dieses Buch gehen.

Ich war ein wenig traurig und hatte das Gefühl, gute Freunde zu verlieren, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Aber es wird weiter gehen, dass lassen die letzten Sätze erahnen.

„Wie zum Teufel konnte ich ihn einfach mein Herz mitnehmen lassen?“

Das fragt Anna sich zum Schluss. Das war das, was ich hören wollte. Ein bisschen Herzschmerz muss auf jeden Fall dazu. Die beiden sind noch nicht fertig miteinander.

Gelungenes Debut. Intelligent, wortwitzig, rasant und überaus spannend. Zeitreise in die Vergangenheit mit Krimi ist gelungen. Ich habe es gerne gelesen und will mehr.

Meine Bewertung:

weiterlesen

Drama | Historie | Liebesroman

„Das geheime Vermächtnis“ von Katherine Webb

von am September 24, 2013

Handlung

Die Schwestern Beth und Erica haben von ihrer Großmutter das Herrenhaus „Storton Manor“ geerbt. Der letzte Wille der Verstorbenen ist, dass die beiden dort  zusammen Leben. Viele Erinnerungen hängen jedoch an diesem Haus. Das schrecklichste, was sich dort ereignet hat, war das Verschwinden von Cousin Henry, als sie noch Kinder waren. So fällt es vor allem Beth nicht leicht, sich in diesem Haus aufzuhalten. Aber egal was mit diesem Haus passiert, der Nachlass der Großmutter muss sortiert werden, und so ziehen die beiden kurz vor Weihnachten in das Haus. Sie müssen sich ihrer Vergangenheit stellen und Erica stößt auf ein weiteres, dunkles Familiengeheimnis.

Layout

Das Cover ist sehr klassisch gehalten und passt zum Inhalt. Das untere Drittel ist schwarz und man sieht den Autorennamen und den Titel des Buches. Der Rest wird dominiert von einem eisernen Tor, durch welches man im Hintergrund „Storton Manor“ sieht. Mir gefällt das Layout richtig gut, denn bisher habe ich jedes Buch mit Haus auf dem Cover geliebt.

Fazit

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. In der Gegenwart schildert Erica selber die Ereignisse. Dann gibt es immer mal wieder Rückblenden, die in der dritten Form geschrieben sind. Dort erfährt man die Geschichte von Ericas Urgroßmutter.

Erst tat ich mir schwer, dass Gegenwart und Vergangenheit sich auch im Schreibstil wiederfanden. Diese Sprünge im Geschriebenen ließen mich auf den ersten 100 Seiten immer wieder Inne halten. Ich wusste zwar, wo und wie ich gerade war, aber das Hin- und Hergespringe nahm mir ein wenig den Lesefluss.

Das wurde jedoch von der Spannung aufgehoben.  Die beiden Handlungsstränge werden geschickt miteinander verwoben, so dass es natürlich am Ende ein rundes Bild gibt und man Ericas Familie kennt.

Ein wenig hat es mich an die Bücher von Lucinda Riley erinnert. Aber da ich Lucinda Riley ja vergöttere, muss ich Katherine Webb einfach lieben!

weiterlesen